Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben,
dass du weißt, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.
Und wenn dir einmal das Schweigen
sprach, lass deine Sinne besiegen.
Jeden Hauche gib dich, gib nach, er wird
dich lieben und wiegen.
Und dann meine Seele, sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge, breite dich
wie ein Feierkleid über die sinnenden
Dinge.
(Rainer Maria Rilke)

Der Juni begann mit den sagenhaften Mohnblumen und schließt mit Rilke, dessen Gedicht die vielen Momente der letzten Wochen einsammelt und Sinn in die Farben bringt. Mit diesen zarten Blüten zu färben, berührt auch meine zarten Seiten. Wie etwas so zerbrechliches so überwältigend wirken kann, versetzt mich in tiefes Staunen.

Wie lange lief ich an den Feldern entlang. Nur um kein Gedanke an anderes zu verschwenden, um mich diesem malerischen Anblick ganz herzugeben. Mit den Mohnblüten zu färben erfordert Überwindung. Wenn ich Hände voll der samtweichen Blüten in den Korb lege, bewegen sie sich noch nach, als würden sie lange ausatmen. Ihr Anblick war so bindend, dass ich mich kaum von ihm trennen mochte. Nach drei Tagen erst begann ich mit dem nächste Schritt des Färbeprozesses.

Nach drei Tagen erst begann ich mit dem nächste Schritt des Färbeprozesses. Ihre Farbe schenken sie schnell, doch verliert es auch schnell an Kraft und zurück bleibt etwas graublaues. Ich habe einen Weg gefunden, wie sich ihr dunkles amaranth-Rot auf Leinen einfangen lässt. Hier kann man wirklich von Einfangen sprechen, so fragil wie Schmetterlingsflügel.

Die Färbungen sind sehr besonders. Es ist eine sehr besondere Pflanze. Und gerade jetzt, wobei die Mohnfelder langsam ihre Kraft verlieren und wieder entschwinden sind die Mohn gefärbten Stoffe noch kostbarer und rar geworden. Jede Pflanze mit der ich färbe hinterlässt einen Abdruck in mir wie eine besondere Begegnung. Etwas vertrautes liegt jetzt zwischen ihr und mir.